Die Silberwölfin

Die ganze Nacht hatte Beren bei der Silberwölfin gelegen. Zu Beginn hatten sie sich gegenseitig ihre Geschichte erzählt – das hieß: eigentlich hatte der Fuchs die Wölfin ausgefragt und ab und an einen Kommentar seinerseits eingeworfen. Allerdings entpuppte sich dieses Thema schnell als recht deprimierend, und so hatten sie letztlich still nebeneinander im Licht des aufgehenden Vollmondes gelegen. Erstaunt hatte Beren wahrgenommen, wie das graue Fell der Wölfin plötzlich in reinstem Silber strahlte. Da hatte sie angefangen zu erzählen...
    "Du kannst dich glücklich schätzen", hatte sie gesagt, "denn du hast eine Richtung und ein Ziel, dem du folgen kannst." Dann hatte sie tief geseufzt. Silberwölfe folgten niemandem, hatte sie erklärt. Selbst wenn sie es gewollt hätten. Rudeltiere waren sie zwar, dennoch Ausgestoßene. "Weißt du wie es ist, allein umherzuziehen?" Sie hatte ihn angesehen. "Natürlich weißt du es, du bist ein Fuchs. Und es liegt in deiner Natur, ein Einzelgänger zu sein. Meine Natur hingegen will mich an ein Rudel binden, doch mein Schicksal bestimmt mich zur Einsamkeit. Ich weiß nicht wo ich hingehöre oder wohin mein Weg mich führt. Zum Wesen eines Wolfes gehört das Rudel. Selbst das schwächste Glied im Rudel hat seine Bedeutung und Aufgabe. Gehört dazu. Aber ein Silberwolf zu sein... das bedeutet, einsam zu sein. Verstoßen zu sein. Gejagt zu sein."



Über den Jahreswechsel 2003/04 war ich bei meiner damaligen Freundin und habe ihr anhand dieses Bildes gezeigt wie ich zeichne. Sie hatte ein Bild von einem Wolf herausgesucht und ich habe es vor ihren Augen abgezeichnet. Von der Vorlage habe ich leider keine Kopie mehr, aber die Tatsache, dass dieser Wolf auch aussieht wie ein Wolf (und nicht wie ein missratener Fuchs wie beim letzten Versuch) liegt sicher daran, dass ich von einem Foto abgezeichnet habe. Leider ist mir in der hinteren Partie mein Stift dermaßen grob ausgerutscht, dass mir nichts anderes übrig blieb, als sie mit diesem schwarzen Ding (hoffentlich als Felsen erkennbar) zu übermalen.
Etwa zur gleichen Zeit schrieb ich eine kurze Geschichte über einen Fuchs namens Beren, und die Inspiration für die Silberwölfin kam von meiner Freundin. Daher ist dieses Bild schließlich mit der Geschichte verschmolzen.