Die Geshcichte des Kühnen

Im Bau drinnen war es ein paar Grad wärmer als im Freien. Für einen Fuchs bedeutete das sehr viel. Der Kühne streckte sich voller Wohlbehagen. Wie immer in solchen Höhlen roch es dumpfig und feucht, aber noch mehr roch es überall stark nach der Füchsin. [...]
    »Dann stammst du vielleicht hier aus der Nähe?« wagte Feder zu fragen.
    »Nein, nein. Von ganz weit her. In der ersten Zeit bin ich viel herumgekommen. Ich wollte unbedingt zur wirklichen Welt gehören... « Bevor der Kühne noch recht überlegt hatte, waren die Worte schon heraus.
    »Die wirkliche Welt?« fragte sie nach. »Was meinst du damit?«
    Der Kühne seufzte tief. »Ich bin in einem Naturschutzgebiet auf die Welt gekommen; einem Ort, den man Hirschpark nennt.«
    »Eine merkwürdige Entscheidung – ein Naturschutzgebiet zu verlassen, um in der Welt draußen zu leben«, meinte Feder. »Was könnte einen denn besser schützen als so ein sicherer Zufluchtsort?«
    »Du hast ja recht, Feder«, gab der Kühne zu. »Ich habe meine Familie verlassen, meinen Bruder und meine Schwestern und noch andere befreundete Tiere. Ich habe den Park aus eigenem freien Willen verlassen, allein, aus purer Abenteuerlust. Ich wollte die Welt außerhalb des Reservats kennen lernen. Aber das einzige, was wirklich passierte, war, dass ich den Menschen in die Quere gekommen bin... und ... für meinen Hochmut büßen musste. Ja, ich sehe es ein! Und jetzt ist es zu spät zum Umkehren. Ich werde nie wieder das starke und gesunde Tier sein, auf das selbst mein Vater so stolz gewesen ist.«
    »Ach je! Du Armer«, sagte sie mitfühlend. »Erzähl mir doch von deinem Vater.«
    Der Kühne stöhnte. »Was kann man noch von ihm erzählen, was nicht schon jeder wüsste? Anscheinend kennt doch jeder seine Geschichte.«
    »Ist er denn so berühmt?« fragte Feder ungläubig.
    »Ja, er ist berühmt – er ist der Fuchs vom Farthing-Wald.«

– Colin Dann –


Dieses Bild ist im März 2003 als zweites einer Serie von drei Bildern entstanden, die vom großartigen Kinderbuch "Jagd auf den Schatten" von Colin Dann und der dazugehörigen Fernsehserie Als die Tiere den Wald verließen inspiriert sind. Der Stil ist eine Mischung aus der Comic-Vorlage der Serie (siehe rechts) und semi-realistischen Fell-Effekten. Die Schattierungen sind mir etwas weicher gelungen als beim Vorgänger, das Fell zeigt noch Unsicherheiten. Dennoch gehört es zu meinen Favoriten.