Der Fasanenwald

Dann kam er eines Abends an eine Stelle, wo der Geruch von Wild förmlich in der Luft zu hängen schien. Es war ein schönes Waldgebiet, das durch einen Zaun von den umliegenden Ländereien abgetrennt war. Aber der Zaun war schon alt und bereits ramponiert und stellte kein wirkliches Hindernis für einen entschlossenen jungen Fuchs dar.
    Innerhalb der Umgrenzung gab es deutliche Spuren von Menschen. Wo die Erde weich und feucht war, waren ihre unverwechselbaren Fußabdrücke deutlich zu erkennen. Der Kühne interessierte sich aber überhaupt nicht dafür, denn er spürte etwas weit Anziehenderem nach. Das Wasser lief ihm im Maul zusammen vor lauter Vorfreude auf die Mahlzeit, die ihn erwartete. Umsichtig und geräuschlos schlich er durch das Unterholz. Er wusste, dass sein Opfer nicht mehr weit war.
    Unter einem Brombeerdickicht schreckte eine Fasanenhenne aus ihrem Schlaf auf. Der Kühne stürzte vor, ein schnelles Zupacken seiner mächtigen jungen Kiefer, und schon war alles vorbei. An diesem Abend hielt er ein stattliches Festessen. [...]
    Mit der Zeit wurde er ein Experte im Aufspüren von Fasanen. Zwar war er bei der Jagd auf seine Lieblingsbeute nicht immer erfolgreich, aber jeder Fehlschlag steigerte seinen Appetit nur noch mehr. Sein Alltag bekam eine Gleichförmigkeit, die ein, zwei Wochen anhielt.
    Jeden Abend verließ er das offene Gelände und drang in den eingezäunten Wald ein. Er begegnete zwar nie dem Wildhüter, aber beide wussten sehr wohl vom Vorhandensein des anderen. Und wenn Gefahr drohte, gelang es dem Kühnen jedes Mal, seinem Feind zu entkommen.

– Colin Dann –


Hier ist sie, meine erste wirklich gelungene Zeichnung eines Fuchses, gezeichnet im März 2003, als erstes einer Dreier-Serie. Wie schon meine Wasserfarben-Bilder ist auch sie vom großartigen Kinderbuch "Jagd auf den Schatten" von Colin Dann und der dazugehörigen Fernsehserie Als die Tiere den Wald verließen inspiriert. Hier habe ich nun endlich die Mischung aus dem Comic-Stil der Serie (siehe meine Vorlage rechts) mit semi-realistischen Schattierungen und Felltexturen zufriedenstellend hingekriegt. Dies ist allein dem Umstand zu verdanken, dass ich mir richtiges Zeichenpapier und vernünftige Bleistifte in verschiedenen Härtegraden gekauft hatte. Mit 2B, 4B und 6B ging mir sogar die schwierige Fellstruktur ohne weitere Übung ganz leicht von der Hand. Ich bin besonders stolz auf dieses Bild. Nach den halbgaren Versuchen mit Wasserfarben hat es mich davon überzeugt, mich voll auf monochrome Zeichnungen mit Bleistift zu konzentrieren.