Wege im Beten


Das große kalte Weltenall
Liegt dunkel, still und leer...
Doch mitten drin im schwarzen Raum
– Seht her, denn man erkennt es kaum! –
Mich dünkt, da ist noch mehr!

Von unsichtbarer Kraft gelenkt
Dreht sich dort immerfort
In Mond- und Sonnenlicht getunkt
Ein kleiner, heimisch-blauer Punkt:
Die Erde, des Lebens Hort!

Dort gab es Wasser, Tier und Baum
Und Vögel himmelwärts.
Und dort war es, wo Gott einst sprach:
"´s wird Zeit, dass ich den Menschen mach´!
Mit Hand und Fuß – und Herz!"

Ja, Gott der freute sich und sprach:
"Mein Abbild soll er sein!
Der Schöpfung Schönheit, ihm geweiht,
Sei Krönung und Herr er allezeit!"
So einfach ist das... Nein?

Denn Menschen sind ein Ding für sich,
Und vieles ging kaputt.
Denn viele der Lebenden glauben nicht mehr,
Dass Gott auch heut´ noch auf Erden wär.
Doch sage mir: Wäre das gut?

So schaut euch doch die Schöpfung an!
Wo sein Atem, das Leben, weht!
Plötzlich ein Baum, ein bewachsener Stein,
Den niemand je sah als ich allein!
Und im Dunkel der Stern, der dort steht!

Doch bet´ ich den Stein und das Tier nicht an,
Nicht den Stern, der doch gar nicht lebt!
Es sind doch nur Spuren: Sie sprechen von Gott,
Der mir all das geschenkt. Und deshalb sollte ich flott
Mein Herz zu ihm dankend erheben!

Seht den Menschen, der würd'ger als Pflanze und Tier
Mit Herz und Fuß und Hand,
Die Gott selbst ihm zur Füllung des Daseins gegeben,
Die er einsetzen könnte für Frieden und Leben –
Hätte er nur ein bisschen Verstand!

Doch da sind wir genau beim Punkt:
Ich bin nicht vollkommen wie Er!
So ist trotz manch guter Art und Weise
Halt ab und zu einfach alles nur ...Mist!
Und das bedrückt mich sehr...

Aber gerade weil ich dies erkannt
Wird die Sehnsucht nur höher entfacht:
Dem nahe zu sein der mich einstens erschaffen,
Dessen Heil und Liebe niemals erschlaffen...
Dessen Größe mich ängstlich macht!

Doch was auch immer mich bewegt:
Ihm allein kann ich´s sagen.
Und habe ich Bitten für mich und die andern,
Die mit mir den gleichen Lebensweg wandern,
Mit Dank schon kann ich ihn fragen!

Ob Hirte, ob Vater, er hütet und schützt mich...
Geborgenheit... Wärme... und Ruh...
Doch Gott ist das Leben! Entwurzelt auf Erden
Mich allem und lässt mich nicht heimelig werden,
Treibt mich der Entfaltung zu!

Um ein Werkzeug zu sein und nicht zu verstauben,
Zu wissen, was er mit mir macht,
Muss ich Hören! Mal leidend und mal voller Wonne;
Denn wie könnte der Mond leuchten ohne die Sonne
Und Licht bringen in die Nacht!

Hinter mir steht die Geborgenheit,
Doch mein Herz ist jetzt erfrischt!
Und vor mir die Welt wartet, unbegangen,
Meine eigenen Fußspuren zu empfangen.
Doch wohin und wie weit... das weiß ich nicht.

Ich weiß nur das eine: Ich will nicht ermüden;
Denn Pfade gibt's viele zu gehen.
Ob goldener Morgen, ob Mittagsglut:
Mein Aug führt mich vorwärts, mal langsam, mal gut
Das Abendrot auch einst zu sehn.

Und wenn die Schatten dort länger werden
Wend´ ich mich ab von der Welt.
Denn am Himmelsgewölbe weisen die Sterne
Den Weg mir zur Heimat in ewiger Ferne
Zu Ihm – wo sich alles erfüllt.


© 2002